Berichte aus dem 1. Halbjahr 2008

Fortbildungsveranstaltung "Brandbekämpfung aus der Luft"

Die beiden Kreisfeuerwehrverbände Regen und Cham veranstalteten, in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Staatsministerium des Inneren, am 14. Juni eine Fortbildungs- und Informationsveranstaltung mit dem Thema "Möglichkeiten der Brandbekämpfung aus der Luft".
Der Mitinitiator dieser Veranstaltung, KBI Michael Stahl, konnte dazu am frühen Vormittag zahlreiche Feuerwehrkameraden, Vertreter des Innenministeriums, der Regierungen, der Polizei, der beiden bayerischen Feuerwehrschulen, der Forstverwaltungen und einige Lokalpolitiker begrüßen.

In seinem Grußwort lobte der Landrat des Landkreises Regen, Herr Heinz Wölfl, die Kameradschaft und das Gemeinschaftsgefühl in den Feuerwehren, welches sich in seinem Landkreis während der Schneekatastrophe besonders verdeutlicht habe. Helfen können aber nur Personen mit einer guten Ausbildung, weshalb Fortbildungsveranstaltungen wie diese besonders wichtig seien.
Hermann Brandl als Bürgermeister der Gemeinde Arnbruck, dankte den Veranstaltern für die Durchführung dieser Fortbildung in Arnbruck und zollte den Hilfsorganisationen seine Anerkennung.

Auch KBR Johann Weber dankte, auch im Namen von KBR Hermann Keilhofer (KFV Regen), den Referenten dieses Tages und den Verantwortlichen für die Vorbereitung und Durchführung. Zusätzlich überbrachte er die Grüße der Vorsitzenden des LFV Bayern und des BFV Oberpfalz.

KBI Michael Stahl erläuterte anhand zweier Waldbrandeinsätze in den Landkreisen Cham und Regen die Notwendigkeit sich auf derartige Einsätze durch Fortbildung vorzubereiten.

Anschließend gab Oberregierungsrat Hans Ellmayer vom Bayerischen Staatsministerium des Inneren einen Einblick in das bayerische System der Brandbekämpfung aus der Luft, das bereits im Jahr 1980 aufgrund der vorangegangenen, großen Waldbrände in Niedersachsen entwickelt wurde.

Demnach wurden zahlreiche Außenlastbehälter angeschafft und auf verschiedene Feuerwehren in Bayern verteilt. Die Hubschrauber dafür können durch den Einsatzleiter bei Bedarf vom Lagezentrum im Innenministerium angefordert werden. Anschließend ging Ellmayer noch auf die Kosten eines derartigen Einsatzes ein. Danach ist grundsätzlich die Gemeinde, in deren Gebiet der Schadensort liegt, für die Übernahme der Aufwendungen verantwortlich. Wird der Katastrophenfall ausgerufen, so trägt die Katastrophenschutzbehörde (Landkreis) die Kosten, kann aber mit einer Unterstützung von ca. 70 % durch den Katastrophenschutzfonds des Landes Bayern rechnen.

Brandoberrat Dipl.-Ing. Dirk Schneider (Leiter der Werkfeuerwehr EADS-IABG München) erläuterte anhand des Waldbrandeinsatzes am Thumsee im April 2007, die Einzelheiten eines Löscheinsatzes aus der Luft.
Dieser Waldbrand vernichtete ca. 600.000 m² Waldfläche und konnte aufgrund des sehr steilen und unwegsamen Geländes hauptsächlich nur aus der Luft bekämpft werden, wofür insgesamt 14 Luftfahrzeuge eingesetzt waren, die etwa 2,5 Mio. Liter Wasser zum Brandherd beförderten. Daneben waren 26 Freiwillige Feuerwehren aus Bayern und zwei aus Österreich im Einsatz.

Gerade bei einem Einsatz mit mehreren Luftfahrzeugen ist eine exakte Koordinierung erforderlich um einen reibungslosen und möglichst gefahrfreien Flugverkehr zu gewährleisten. Aus diesem Grund wies der Redner auf die Notwendigkeit eines versierten Abschnittsleiters hierfür hin. Dieser sollte immer auch die Wirtschaftlichkeit im Auge behalten, da der Betrieb von Hubschraubern je nach Größe einen Kostenaufwand von 35 bis 150 Euro je Flugminute bedeutet. Aus diesem Grund kann es sinnvoll sein, die notwendigen Betankungs- und Wartungsmaßnahmen am Einsatzort vornehmen zu lassen, um zeit- und somit kostenintensive Hin- und Rückflüge zu sparen.
Weiterhin ging Schneider auf die zu beachtenden Sicherheitsregeln in der Nähe der Fluggeräte und auf die Möglichkeit ein, durch einen Löschmittelzusatz die Effektivität des Wassers zu erhöhen.

Als letzter Redner des vormittäglichen theoretischen Teils der Schulung, erläuterte Mike Goldhahn (Geschäftsführer der Deutschen Löschflugzeug Rettungsstaffel) den Einsatz von Löschflugzeugen. 

Dabei stellt ein Löschflugzeug eine sinnvolle und kostengünstige Ergänzung zu den Hubschraubern dar. Von der DLFR kommen Flugzeuge des Typs PZL M-18 Dromader zum Einsatz, die einen guten Kompromiss zwischen Löschwasservolumen und variabler Nutzbarkeit darstellten. So kann die Maschine bis zu 2.200 Liter Löschwasser aufnehmen aber trotzdem auch auf kleinen Flugplätzen starten und landen, da sie lediglich ein Startbahnlänge von ca. 900 m benötigt. Zusätzlich kann sie auch mit geringer Geschwindigkeit (ca. 110 km/h) fliegen und sich somit in den Befüllung-Abwurf-Takt der Löschhubschrauber einreihen.
Das Löschwasser kann während des Flugs über einen zusätzlich Bordtank mit einem Löschmittelzusatz versehen werden. Die Abwurf kann entweder punktförmig (ca. 25 x 75 m² Fläche) oder linienförmig (ca. 470 m Länge und 10 - 20 m Breite) erfolgen.

Im Anschluss an die Mittagspause wurde von einem Bundespolizei-Hubschrauber des Typs SA 330 J Puma das sogenannte "Winchen", das Absetzen und Aufnehmen von Personen über die Rettungswinde vorgeführt.

Anschließend wurde von Feuerwehrkräften der FF München und FF Straubing ein 900 Liter Außenlastbehälter vom Typ "Smokey III" - stationiert bei der FF Straubing - am Lasthaken des Fluggeräts befestigt und mit Wasser gefüllt.

Anschließend führte die Hubschrauberbesatzung damit die Befüllung eines Faltbehälters vor, der dann z.B. als Pufferbehälter für einen Bodeneinsatz der Feuerwehren genutzt werden kann.

Im weiteren Verlauf wurde noch der Außenlastbehälter der FF München, ein maximal 5.000 Liter fassender "Semat F" befüllt und damit der Abwurf von Löschwasser über dem Gelände gezeigt.

Nachfolgend wurde das Löschflugzeug des DLFR vom Typ PZL M-18 Dromader mit zwei B-Schläuchen innerhalb von ca. einer Minute mit etwa 2.000 Liter Wasser befüllt. Nach einem kurzen Rundflug über den Platz wurde vom Piloten ein punktförmiger Abwurf des Löschwassers vorgeführt.

Abschließend erfolgte noch ein linienförmiger Abwurf in zwei Durchgängen.

Insgesamt zeigten sich die Schulungsteilnehmer beeindruckt von den Vorführungen, aber auch der theoretische Teil brachte für alle eine Wissenserweiterung, die bei einem möglichen Waldbrand von sehr hohem Nutzen sein kann.

Hier nun ein ca. 4-minütiges Video von den Vorführungen. Da es sich um ein Datenvolumen von ca. 20 MB handelt, sollte zum Download eine schnelle Internetverbindung (DSL) vorhanden sein!

(Bericht, Bilder und Video von den WebTeammitgliedern Matthias Roider, Michael Weiß und Fabian Fischer)

ZURÜCK ZUR ÜBERSICHT!