Berichte aus dem 1. Halbjahr 2009

Informtionsabend über die Notfallseelsorge - PSNV

Die Frauenbeauftragte in der Feuerwehr-Inspektion Bad Kötzting, Stefanie Denk, hatte interessierte Frauen und Männer am 21. April zu einem Informationsabend eingeladen. Dabei sollte die Arbeit der Notfallseelsorge im Landkreis Cham dargestellt werden. 
Als Referenten konnte sie den langjährigen, führenden Mitarbeiter Gerd Paulus aus Lam gewinnen.
Kreisbrandmeister Josef Pritzl begrüßte die Veranstaltungsteilnehmer und bedauerte, dass der Schulungsraum im Feuerwehrzentrum Bad Kötzting nur knapp zur Hälfte gefüllt war. 

Gerd Paulus dankte zu Beginn seines Vortrages für die Einladung und wies auch gleich auf die unterschiedliche Aufgabenstellung seiner Vereinigung hin. Ein Schwerpunkt sei die Betreuung unverletzter Beteiligter bei plötzlich eintretenden, schweren Schicksalsschlägen (z.B. Verkehrsunfällen), was auch als Krisenintervention bezeichnet wird. Eine weitere Hauptaufgabe ist auch die Hilfe zur Streßbewältigung für die an schweren Unglücken eingesetzten Einsatzkräften. Da die Arbeit dabei im Wesentlichen die Psyche des Menschen beeinflussen soll, wird sie auch als Psychosoziale Notfallversorgung bezeichnet.

Bereits bei der Grundausbildung für Rettungsdienst, Bergwacht und Feuerwehr - hier beim Truppmannlehrgang - werden die jungen Hilfskräfte bereits auf die Grundlagen der Streßbewältigung in ihrem zukünftigen Dienst durch die Notfallseelsorge geschult.

Als Stressfaktoren gelten dabei die intensive Konfrontation mit Schmerz und Leid, Unsicherheit und Überforderung, aber auch persönliche Umstände, wie z.B. Stress im Beruf oder in der Familie.
Gerd Paulus verglich die persönliche Belastbarkeit mit einem Behälter der nur einen kleinen Abfluss aufweist. Kommt erheblich mehr neuer Stress hinzu als ablaufen kann und ist der Behälter bereits weitgehend gefüllt so kommt es zu einem Überlaufen. Das bedeutet übertragen, der Mensch ist mit der Situation vollkommen überfordert.
Als Stressreaktionen können dann physische (Magenbeschwerden, Zittern, Schwitzen, Erschöpfungszustände) oder auch psychische (Furcht, Hilflosigkeit, Verzweiflung, Wut) Beeinträchtigungen auftreten. Üblicher Weise sind diese Reaktionen des Körpers normal und verlieren sich bei den meisten Personen innerhalb eines Zeitraums von 4 bis 6 Wochen. Ist dies nicht der Fall spricht man von einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBT) die als Krankheit gilt und behandelt werden muss.

Aus vorgenannten Gründen sei die Prävention zur Stressbewältigung für die Feuerwehrkräfte so wichtig, so Paulus. Auch das Gespräch der Hilfskräfte untereinander und in der Familie helfe, das Erlebte zu verarbeiten und den psychologische Belastung zu mindern.

Auch auf den Umgang mit betroffenen Personen an der Einsatzstelle ging der Referent ein. So sei es besonders wichtig, dass die Betreuungsperson sich Zeit nimmt und für Schutz, Sicherheit und Wärme sorgt. Sie sollte erläutern wie den Beteiligten geholfen wird und was gerade abläuft. Eine Diskussion über die Schuldfrage sollte genauso vermieden werden, wie ein Wechsel der Betreuungsperson.

Paulus wies auf das moralische Recht von Personen hin, sich in der Nähe ihrer geschädigten Angehörigen aufhalten zu dürfen, wobei es von Vorteil ist zu sehen, dass alles Mögliche für diese getan wird. Dabei gilt es aber auch die Nachteile zu beachten. Eine drastische Bergung bzw. Rettung von verunfallten Personen kann die Angehörigen schocken, darüber hinaus dürfen die Rettungsmaßnahmen natürlich in keiner Hinsicht behindert werden. Die Entscheidung, wie nahe die Angehörigen an die Einsatzstelle heran dürfen muss somit jeweils im Einzelfall getroffen werden.

Nach neuesten Erkenntnissen sei es bei Todesfällen besonders wichtig, dass Angehörigen oder Freunden die Möglichkeit gegeben wird vom Verstorbenen Abschied zu nehmen. Dies habe sich sogar bei Kindern bestätigt, die einen Schulkameraden bei einem Unfall während eines Klassenausfluges verloren haben und denen diese Möglichkeit - trotz anfänglicher Widerstände der Eltern - gegeben wurde.

KBM Pritzl dankte Gerd Paulus für seinen sehr informativen Vortrag, den Zuhörern für ihr Kommen und der Initiatorin Stefanie Denk für ihr Engagement immer wieder neue Angebote für die Frauen und Männer der Feuerwehren anzubieten.
Stefanie Denk bedankte sich im Namen aller Teilnehmer bei Herrn Paulus mit einem kleinen Präsent und bat die Feuerwehrdamen um Anregungen für weitere Veranstaltungen im Herbst dieses Jahres.

(Bericht und Bilder vom WebTeammitglied Fabian Fischer)

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