Berichte aus dem 1. Halbjahr 2009

Workshop "Schacht- und Kanalrettung" in Burgkirchen-Gendorf

Insgesamt 19 Teilnehmer und zwei Übungsbeobachter machten sich am frühen Morgen des 27. Juni auf nach Burgkirchen-Gendorf um dort einen interessanten Workshop zum Thema „Schacht- und Kanalrettung“ zu absolvieren.

Die Teilnehmer setzten sich in erster Linie aus den Feuerwehraktiven zusammen, die im Oktober erstmals in der Feuerwehrinspektion Bad Kötzting den Lehrgang „Absturzsicherung“ absolviert hatten. Verstärkt wurde die Gruppe um 6 Kameraden der Bergwacht Lam. 
Im Landkreis Cham übernimmt die Bergwacht die Funktion der Höhenrettung. Somit wird es künftig bei Einsätzen in absturzgefährdeten Bereichen zu einer engen Zusammenarbeit zwischen Bergwacht und Feuerwehr kommen. Der Workshop „Schacht- und Kanalrettung“, der in dieser Form überhaupt zum ersten Mal stattgefunden hat, soll diese Zusammenarbeit in extremen Einsatzsituationen einüben und vertiefen.

Als Veranstalter konnte die Werkfeuerwehr "InfraServ Werk Gendorf" in Burgkirchen-Gendorf gewonnen werden. Neben dem Brandschutz im Industriepark Gendorf unterhält diese Werkfeuerwehr auch Spezialisten für Gefahrguteinsätze sowie eine eigene Höhenrettungsgruppe. 
Im Jahr 2008 wurde bei einem Workshop zu Gefahrguteinsätzen die Idee geboren, die Möglichkeiten der Werkfeuerwehr auch zur Fortbildung in Sachen Absturzsicherung zu nutzen. Bei den Höhenrettern in Gendorf war man dabei auf offen Ohren gestoßen, und so konnte diese Veranstaltung erstmals stattfinden. 
Das weitläufige Werksgelände in Gendorf bietet vielfältige Möglichkeiten die Rettung von verunfallten Personen aus Silos, Hochbehältern, Schacht- und Rohranlagen aber auch von Rohrbrücken und Kränen, bis hin zu einem 188 Meter hohen Kraftwerkskamin zu üben.

Auf die Aktiven der Feuerwehren Arrach (7 Teilnehmer), Grafenwiesen (1), Rimbach (3), der Flughelfer-Gruppe der FF Thürnstein (2) und die sechs Bergwachtler warteten insgesamt drei Aufgabenstellungen, die als Stationsausbildung abgearbeitet wurden. Jede der drei Feuerwehrgruppen wurde durch 2 Bergwacht-Kameraden ergänzt, so dass vor allem die gemeinsame Arbeit geübt werden konnte. 

An der ersten Station musste eine verunfallte Person aus einem Hochbehälter gerettet und anschließend zur ebenen Erde abgelassen werden. Hierbei wurde die Rettung vorzugsweise mit dem Abseilgerät Rollgiss und einer Rettungswindel durchgeführt. 

Die zweite Station führte dann unter die Erde in einen ca. 5 Meter tiefen Schacht. Jeweils ein Aktiver aus der Gruppe simulierte einen verunfallten Bauarbeiter, der gerettet werden musste.

Im Vergleich zur Arbeit an einer Übungspuppe stellte das Retten einer lebenden Person eine sehr realistische Aufgabenstellung dar. Hier wurde neben dem Rollgiss ein sogenanntes "Spineboard" eingesetzt, das die FF Arrach erst im vergangenen Jahr angeschafft hatte. Auch die Möglichkeiten der Schleifkorbtrage wurden erläutert. Die Bergwachtkameraden bauten hier zusätzlich einen Flaschenzug ein.

Die dritte Station führte schließlich in luftige Höhen. Am Kraftwerkskamin wurde der sichere Aufstieg geübt. Die meisten Kameraden sahen dabei zum erstenmal ein Click-Fix-System, das häufig in Kaminen und hohen Masten als Aufstiegshilfe verbaut ist. Als Alternative wurde die Vorstiegssicherung geübt.

Als aufmerksame Übungsbeobachter waren Kreisbrandinspektor Michael Stahl sowie der stv. Ortsverbandsleiter des THW Cham Sepp Guggenberger mitgereist. Beide zeigten sich beeindruckt von den Übungsmöglichkeiten und dem Übungseifer der Aktiven. KBI Stahl bedankte sich schließlich bei den Ausbildern der Werkfeuerwehr Gendorf für die überaus lehrreiche Ausbildungsveranstaltung und überreichte als Erinnerung Spezialitäten aus dem Bayerwald. Auch Bereitschaftsleiter Franz Mühlbauer von der Bergwacht Lam lobte die Übungsmöglichkeiten, die insbesondere für die künftige Zusammenarbeit mit den Feuerwehren wertvolle Erkenntnisse über Ausrüstung und Ausbildungsstand brachten. Weitere Workshops in Gendorf für Gefahrgut und Absturzsicherung sind bereits geplant, ebenso weitere gemeinsame Übungen von Bergwacht und Feuerwehr.

(Bericht von Bernhard Hatzinger, FF Arrach)

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