Berichte aus dem 2. Halbjahr 2003

Anwenderseminar über Druckluftschaumanlagen besucht

Der technische Fortschritt macht auch vor den Feuerwehren nicht halt. Eine der vielversprechensten Innovationen der letzten Jahre sind Druckluftschaumanlagen, auch CAFS (Compressed Air Foam System) genannt. Die erste Feuerwehr, die diese Technik aus den USA nach Deutschland holte und in ihren Fahrzeugen installierte, war die Berufsfeuerwehr Ingolstadt. Seither verbreitet sich diese Technik auch in Deutschland langsam aber stetig. Die Verantwortlichen der Berufsfeuerwehr Ingolstadt fanden es nun an der Zeit in einem Seminar am 11. Oktober für die Anwender von Druckluftschaumanlagen über die aktuellen Entwicklungen sowie die ersten Einsatzerfahrungen zu berichten.

Im Landkreis Cham verfügen die Feuerwehren aus Arrach und Altrandsberg über Druckluftschaumanlagen. Im Frühjahr 2001 konnte die Feuerwehr Arrach eine derartige Anlage im Löschgruppenfahrzeug LF 16 installieren. Den Weg dafür hatte der damalige Kommandant und heutige Kreisbrandinspektor Michael Stahl geebnet. Seither wurde das Fahrzeug von unzähligen Feuerwehren besichtigt und auf Messen ausgestellt, zumal in diesem Fahrzeug die erste Nachrüsteinheit in ein bereits bestehendes Fahrzeug in ganz Süddeutschland eingebaut wurde. Alle anderen Anlagen wurden in Neufahrzeuge installiert. Damit konnte eine enorme Einsatzwertsteigerung für dieses damals 10 Jahre alte Fahrzeug erzielt werden. Im Frühjahr diesen Jahres wurde nun auch in das LF 8/6 der Feuerwehr Altrandsberg eine entsprechende Anlage eingebaut.

Neben KBI Michael Stahl besuchten daher Stefan Schmid und Bernhard Hatzinger von der FF Arrach sowie Johann Vogl von der FF Altrandsberg dieses Seminar.

Nach der Begrüßung durch den Organisator des Seminars und starken Verfechter der CAFS-Technik, BOAR Ulrich Braun, Leiter des Amtes für Brand- und Katastrophenschutz Ingolstadt, und dem Grußwort von Herrn Wittmann, dem 2. Bürgermeister der Stadt Ingolstadt, berichtete Dipl.-Ing. Axel Föhr von der Forschungsstelle für Brandschutztechnik an der Universität Karlsruhe über aktuelle Forschungsergebnisse beim Einsatz von Druckluftschaum. Unbestritten und wissenschaftlich nachweisbar sind die Minimierung der Wasserschäden, ein enormer Sicherheitsgewinn durch größere Wurfweiten und erhebliche Vorteile in der Handhabung. Die Umweltbelastung bezeichnete der Referent als "absolut vernachlässigbar".

Danach berichtete BA Manuel Hoppert von der Berufsfeuerwehr Offenbach über deren Testreihe mit Druckluftschaum bei der Brandbekämpfung in Hochhäusern sowie einem Anwendertraining im Brandhaus. Letzteres wurde über ein eindrucksvolles Video, aufgenommen mit Hilfe einer Wärmebildkamera, dokumentiert. Über Einsatzerfahrungen mit Druckluftschaum berichteten weiterhin HBM Karl-Heinz Schultheiß von der Berufsfeuerwehr Erlangen, KBI Anton Kappendobler aus Weilheim sowie HBM Eduard Nebel von der Feuerwehr Aschaffenburg. Alle Referenten berichteten übereinstimmend über positive Einsatzerfahrungen und bestätigten, dass dort heute keine Brandeinsätze ohne die Verwendung von Druckluftschaum mehr gefahren werden. Von großer Wichtigkeit ist jedoch eine fundierte Ausbildung von Strahlrohrführern und Einsatzleitern. Dies ist für den Einsatzerfolg von großer Bedeutung. In diese Kerbe schlug auch HBM Ingo Stöhr, Leiter der Ausbildungsabteilung der Berufsfeuerwehr Ingolstadt, in seinen Ausführungen über Löschtaktiken und praxisgerechte Anwendung von Druckluftschaum sowohl bei der Brandbekämpfung von festen wie auch flüssigen Stoffen.

Für negativ beschieden alle Referenten lediglich die hohen Anschaffungskosten. Es sei bedauerlich, dass die Verbreitung dieser innovativen Technik dadurch erheblich gebremst würde. 

Zum Abschluß des Seminars fanden auf dem Gelände der BayernOil-Raffinerie in Neustadt/Donau sehr eindrucksvolle Löschversuche mit Druckluftschaum statt, durchgeführt von der Berufsfeuerwehr Ingolstadt und der Werkfeuerwehr der Raffinerie.

Das Seminar bestätigte den Teilnehmern die Richtigkeit der Entscheidung für Beschaffung von Druckluftschaumanlagen. Diese Technik ist zukunftsweisend in der Brandbekämpfung. Außerdem erhielten die Teilnehmer wichtige Hinweise für die praktische Anwendung und die Ausbildung der Kameraden in Arrach und Altrandsberg.

 (Bericht und Bilder von Bernd Hatzinger, FF Arrach)

 

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